„Wenn da jetzt eine Bombe runterkommen würde, dann könnte ich das Ding auffangen und zurückwerfen. Das Flugzeug treffen. Und PENG.“ Marthy macht eine Wurfbewegung und schleudert einen unsichtbaren Sprengkörper in den Himmel. Ihr starrt nach oben. Aber nichts passiert. Da ist keine Explosion. Kein Feuerball und auch kein Rauch. Immer länger zieht die Passagiermaschine ihren Kondensstreifen und scheitelt den glühend blauen Himmel in zwei Hälften.

Das kleine Mädchen senkt enttäuscht den Kopf. Sie rennt los und verschwindet im Unterholz. Du guckst immer noch dem Flugzeug hinterher. Die Maschine fliegt viel zu hoch, als das du sie hören könntest. Da ist nur das Knistern der Hochspannungsmasten und das Zwitschern der Vögel. Was der Pilot wohl gerade denkt, fragst du dich. Wahrscheinlich macht er sich bereit für den Landeanflug auf Hamburg.

Du überlegst, ob du Marthy zurückrufen solltest. Nicht um ihr zu sagen, dass man das nicht tut. Das dort oben Menschen sind und wir uns so ein Unglück gar nicht vorstellen wollen. Sondern um ihr zu erklären, was es mit den Kondensstreifen auf sich hat. Dass das was man da sehen kann eine langgezogene Wolke aus Eiskristallen ist. Dass so was entsteht, wenn heiße Abgase aus den Triebwerken strömen und die Wasserteilchen im darin enthaltenen Ruß gefrieren. Dass das erst passiert, wenn die Luft kalt genug ist. Also ab einer Höhe von 8 bis 10 Kilometern.

Du guckst dem Mädchen nach. Sie spielt zwischen den Bäumen, packt große Flatschen nasses Laub mit ihren Händchen, wirft es in die Luft und lässt es auf sich niederregnen. Rotiert wie ein kleiner Drehkreisel mit dunklem Haarschopf. Keine Chance für eine Lehrstunde in Physik. Außer dem schönen Wort „Kristall“, käme nichts interessantes für sie dabei rum. Also lässt du sie spielen. Starrst dem Flugzeug nach, streckst die Faust gen Himmel. So, dass sie sich mit dem Menschenvogel deckt. Reißt sie auf und sagst leise. Peng.

„Nichts ist echt, außer Du fühlst es,
nichts ist da, außer du berührst es,
und nichts kann Dich berührn, während Du nach Formeln suchst zum Glücklichsein,
kein Wort ist wahr, nur weil es dokumentiert ist,
und nichts wird klar, nur weil es gut recherchiert ist,
und nichts wird erlöst, nur weil Du ständig nachdenkst über Ungerechtigkeit“

M. R. Vogel

Laß die Küche wie sie ist. Den Abwasch, der als schmutziger Berg aus der Spüle wächst. Und auch dein Zimmer, laß es wie es ist. Die getragene Kleidung, die überall umher fliegt. Noch einmal einschlafen mit juckender Haut. Morgen in die Heimat fahren und dich wieder fragen lassen, wie es denn nun mit dir weiter geht. Raus aus dieser Stadt, in der du viele Menschen kennst, aber niemanden, bei dem du einfach sein kannst. Wie soll das auch gehen, wenn man sich nicht einmal selbst ertragen kann.

Und wenn du wissen willst, wie es sich anfühlt, dann füge vor jedes Nomen noch ein Schimpfwort, das unter die Gürtellinie geht.

Der Gedanke jetzt irgendetwas aufzuchreiben. Um zu sehen, dass man noch da ist. Um Ruhe zu finden. Um die Abfolge der Buchstaben in Informationen umzuwandeln, die hoffentlich etwas hergeben. Etwas dass entspannend wirkt auf all deine Wirrungen. Um zu sehen, dass auch die Ruhe von Grund auf in dir angelegt ist. Das alles gut ist.

auch heute habe ich dir nichts weiter mitzuteilen als meine diffuse Frustration gegenüber dem Leben. Und wieder hämmere ich wütend Buchstaben in die Tastatur. Heute drücke ich sogar auf „veröffentlichen“. Einfach nur, um dir die gähnende Leere auszutreiben, diese hämische Fratze. Friß das! Wo es her kommt, gibt es noch viel mehr.  Und ich würde sagen: „Erstick dran!“, aber vielleicht brauch ich dich irgendwann doch noch einmal für etwas nützlicheres.

Küsschen,

Reprox

Seit 5 Monaten nicht mehr gebloggt, weil es nichts zu sagen gibt. Warum ziehst du auch immer so eine Fresse. Weil nicht immer alles gut sein kann. Positiv sein, das Leben schätzen, seinen Frieden machen und glücklich sein. Das ist doch das Beste, was man erreichen kann. Vielleicht gibt es ja Leute, die in so einen Zustand hineingeboren werden, und ihn dann auch nicht mehr verlassen. Pustekuchen. Vor allen Dingen, die man erreichen kann, liegt auch ein Weg. Vor jeder Sache, jedem Ort, jedem Gefühl. Mach also besser die Augen auf und sieh, wo du hinläufst. Hier lang nicht. Da auch nicht. Und hier lang schon mal gar nicht. Menschen, die sich jeden Tag degradieren. Sich gegenseitig herabsetzen und verachten, sich beschimpfen und systematisch benachteiligen. Im Großen. Im Kleinen. Hintergründig. Vordergründig. Ein Haufen Leute, die daneben stehen und behaupten, das bilde man sich doch alles nur ein. Zum Glück sind da noch diejenigen, die es gut mit einem meinen. Danke für die vielen Ratschläge, danke für die Liebe. Das was ihr sagt, dass sehe ich genauso. Aber fühlen tu ich es leider noch nicht. Versteht jemand, was ich sagen will? Fühlen tu ichs nicht.