Archiv

Archiv für den Monat August 2013

Ich betrachte die Unterseite der noch halbvollen Flasche.

Halte sie im Liegen mit einer Hand über mein Gesicht,

und kratze mit der anderen irgendetwas undefinierbares aus dem Sofapolster.

Senke die Flasche,

blinzle.

Schaue in das grüne Glas,

durch dass das Licht der Stehlampe schimmert.

Da ist der Schatten der Schaumkrone am Grunde des Gefäßes.

Er wackelt vor sich hin und hat die Form

eines noch unbekannten kleinen Kontinents.

Und auf diesem Kontinent habe ich dich nicht enttäuscht.

Habe dich weiter glücklich gemacht.

Mache dich noch immer glücklich.

Habe mein Leben im Griff.

Arbeite mehr und träume weniger.

Von anderen Mädchen und fiktiven Kontinenten.

Ich weiß ja nicht, wie ihr das handhabt aber ich folge auch meinem eigenen Blog, um meine Beiträge noch einmal auf der Seite „Reader“ verfolgen zu können. Das hat bisher auch immer wunderbar geklappt. Nur seit dem Eintrag mit dem grandiosen Namen  „Mobys Dick – Des Monsters Glied“ – mal ehrlich mir schwillt die Brust noch immer, angesichts dieses genialen Titels – erscheinen meine neuen Artikel dort nicht mehr.

Da besagter Eintrag gleich mehrfach Wörter enthält, die man gegenüber der zukünftigen Schwiegermutter nicht unbedingt fallen lassen sollte, welche in ihrer verbalen Härte aber wohl kaum mit einer gängigen Youtube-Konversation mithalten könnten, frage ich mich nun, ob es da einen Zusammenhang gibt.

Also: Bin ich paranoid oder filtert WordPress Artikel mit Schimpfwörtern heraus, so dass diese  nicht bei den Neuerscheinungen zu sehen sind?

Das auf dieser  Erde so mancher kranke Geist wandelt ist mir natürlich auch nicht neu. So ganz ohne Marotten bin ich ja auch nicht. Aber als ich vor kurzem auf Amazon verweilte, um zu schauen ob das neue Album „Whales and Leeches“ der amerikanischen Stoner Rockband Red Fang denn schon zum Kauf zur Verfügung stehe und mir dann plötzlich dieses hier preisgeboten wurde:

http://www.amazon.de/TSX-Moby%C2%B4s-Whale-zwischen-3-10cm/dp/B008HRK5JE/ref=sr_1_fkmr1_2?ie=UTF8&qid=1376844532&sr=8-2-fkmr1&keywords=red+fang+whales+and+leeches

Da musste ich doch einen Moment lang stutzen. Ei, was hat uns das Internet denn da schon wieder für hübsches Treibgut an den Schreibtisch gespült? Es ist der quietschrote Dildo „Mobys Dick„, ein anatomisch korrekt geformter Walpenis!  Ich möchte die Produktbeschreibung jetzt gerne noch einmal hier zitieren und für immer auf meinem Blog gespeichert wissen. Denn das muss man sich schließlich auf der Zunge zergehen lassen:

„35 cm lang und bis zu 10 cm dick.
Einfach zum genießen!
Dieser anatomisch präzies kopierte Wal-Schwanz in knallrotem vinyl erreicht Stellen, wo Du anders nicht rankommst!
Während er nach innen gleitete wird er dicker und DICKER.
Er ist so sachte und glibberig, dass er stets tiefer und tiefer graben wil!
Ein enorm geiler Dildo um zu dehnen.
Mobys Dick ist an der Unterseite ausgehölt, sodass er von sich selbst an einer glatten Oberfläche festsaugt.“

Also, noch Fragen? Ich habe schon welche. Zum Beispiel die hier: WER ZUR HÖLLE WILL DENN VON EINEM WAL GEFICKT WERDEN? Weiterhin wüsste ich gerne: WARUM NUR? Und: 65 EURO? IST ES DAS WERT?

Abschließen möchte ich nun mit einem großartigen Video der ebenso großartigen und bereits zu Beginn dieses Artikel genannten Formation Red Fang. Dessen neues Album ist übrigens erst ab dem 15 Oktober erhältlich. Man, man, man. Ich bin gespannt. Schon lange hat Heavy Rock nicht mehr soviel Spaß gemacht.

Cheers & Goodbye

Euer Käptn Ahab

Am Wochenende machte ich mit meiner Freundin einen Ausflug nach Berlin. Von ihrer Familie hatte sie zum Geburtstag einen Hotelgutschein für zwei Nächte am Prenzlauer Berg geschenkt bekommen. Noch bevor es überhaupt losging, musste ich andauernd  an den Song der Band Terrorgruppe denken: „Dicke Deutsche fahren mit dem Wochenendticket in die Hauptstadt.“ Dabei fuhren wir gar nicht Bahn, sondern hatten uns eine Mitfahrgelegenheit auf vier Rädern organisiert: Fabian holte uns am Bahnhof ab. Die erste Hälfte der Strecke unterhielten wir uns angeregt, dann gingen langsam die Themen aus – wie es eben so oft ist, bei diesen Mitfahraktionen. Dennoch, es war eine angenehme Fahrt. Keine komische oder gar peinliche Stimmung – auch sowas ist nicht ungewöhnlich.  Dabei ist Fabian Soldat – es prallten also Welten aufeinander. Wir erzählten vom Studium und er von seinem Panzerführerschein. Zwar war es eindeutig, dass wir der aktuellen Tätigkeit des jeweils anderem eher skeptisch oder gar kritisch  gegenüber standen und trotzdem entstand eine positive Atmosphere. Fabian war freundlich, interessiert und zuvorkommend. Und so buchten wir auch gleich die Rückfahrt am Sonntagabend bei ihm.

Für unseren Trip hatten wir uns von vorne rein vorgenommen Wahrzeichen – wie Berliner Tor, Reichstag und Pipapo – auszulassen. Da zum einen schon mal gesehen und zum anderen für uns eher langweilig. Auch aufs Feiern waren wir nicht aus. Stattdessen verbrachten wir die Zeit einfach damit in der Gegend herumzulaufen, hie und da etwas zu trinken und uns an allem satt zu sehen. Hier einige Erkenntnisse, die mir vorher noch nie so bewusst gewesen waren:

1. „Berliner Weisse“ wird meist als Mischgetränk ausgeschenkt. Ich kannte den Namen nur durch die gleichnamige Oi-Punkgruppe und war daher nicht davon ausgegangen, dass ich irgendetwas mit Himbeersirup serviert bekomme. Ist ja schließlich nicht sehr männlich – Himbeersirup. Wahrscheinlich bezieht sich die Gruppe dieses testosterongeschwängerten Genres eher auf das ursprüngliche Bier, ohne Zuckerzusatz. Naja, ist ja auch egal.

2. Berliner lieben Sushi. Eine Sushibar in jeder dritten Straße, Sushi im Supermarkt, Sushi in der S-Bahn-Sation, Sushi überall. Sushi, Sushi,Sushi.

3. Das berühmtberüchtigte Kreuzberg ist tatsächlich vergleichbar mit einer riesigen Hamburger Sternschanze. Ein Viertel Migranten, ein Viertel alternatives Leben, ein Viertel Yuppiethum, sowie ein Viertel Schaulustige. Diese Mengenangaben stimmen wahrscheinlich vorne und hinten nicht aber das sind die Grundin­gredienzien.

4. Coole Leute in Berlin sind grundsätzlich tätowiert. Wer nicht tätowiert ist und trotzdem cool, der verdankt eben diese Coolness seiner „Natürlichkeit“. Durch diese glaubt der Nicht-Tätowierte dem Tätowierten etwas voraus zu haben. Dem Körperkult entgeht also keiner. Wenn man sich nicht entscheiden kann zu welcher Gruppe man nun gehören soll, kann man auch einfach einzelne Körperteile in Klarsichtfolie einrollen. Dadurch zeigt man dann „Coolness In Progress.“ Wir haben´s gesehen! Es funktioniert!

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Alles in allem befanden wir Berlin (erneut) als wirklich schöne Stadt – extrem preisgünstig und vielfältig. Zum leben wäre es mir aber zu voll, zu groß und auch zu dreckig. Da bin ich einfach verwöhnt und auch zu sehr „norddeutscher Kuhdörfler.“ Mein persönliches Highlight war dann das Ramones-Museum in der Klausnicker Straße. Ich rechne es meiner Freundin hoch an, dass sie mit mir hinein gegangen ist. Schließlich gab es vor allem Scharzweissfotos von Menschen zu sehen, die ihr völlig unbekannt sind – dazu noch einige zerrissene Jeans und Sneaker hinter durchsichtigen Plastikwänden. Bei der Doku, die in einem kleinem Nebenraum gezeigt wurde, schlief sie dann doch ein. Den ganzen Film konnte ich ihr trotzdem nicht zumuten und nun wüsste ich gern den Titel dieses Machwerks. Vielleicht kann ich ihn sogar in den Weiten des Netzes entdecken. Da werde ich mich nocheinmal auf die Suche machen. Als Andenken habe ich mir dann noch dieses Shirt gekauft.

Bei unser Abfahrt trafen wir in der U-Bahnstation Schönhauser Allee noch auf einen etwas verwirrt wirkenden Mann mit langen zotteligen Haaren und einem dichten Rauschebart. Kurz vor uns wurde er von einem volltätowiertem Hool angerempelt. Zwar nicht vorsätzlich aber fahrlässig. Wir schenkten dem Alten einen mitleidigen Blick, den er verständnislos erwiederte. Dann sagte er – scheinbar richtete er seine Worte nur zu Hälfte an uns  und war in Gedanken schon wieder woanders: „Kranke Gehirne! Diese kaputten Großstädter!“

Auf der Rückfahrt erzählte Fabian uns noch einiges wissenswertes über Panzer – beispielsweise, dass man zwecks Flussdurchquerung einen bis zu zwei Meter hohen Turm auf die Gefährte montiert. Durch diesen könne dann Atemluft in das Kettenfahrzeug gelangen – aus dem Wasser guckt also nur die eiserne Röhre. Sollte der Panzer – durch starke Unebenheiten des Grundes oder andere Umstände, die zwar relativ unwahrscheinlich sind aber bisweilen dennoch auftauchen – auf die Seite Kippen – dann ist die Besatzung so gut wie tot, da auf der Ausgangsluke der Turm sitzt. Mit solcherlei Geschichten fuhren wir hinein in ein nächtliches Gewitter, auf in Richtung Heimat. Jaja, gemütlich war´s!