Kurztrip nach Berlin – 1234, Gabbagabbaheyhey!

Am Wochenende machte ich mit meiner Freundin einen Ausflug nach Berlin. Von ihrer Familie hatte sie zum Geburtstag einen Hotelgutschein für zwei Nächte am Prenzlauer Berg geschenkt bekommen. Noch bevor es überhaupt losging, musste ich andauernd  an den Song der Band Terrorgruppe denken: „Dicke Deutsche fahren mit dem Wochenendticket in die Hauptstadt.“ Dabei fuhren wir gar nicht Bahn, sondern hatten uns eine Mitfahrgelegenheit auf vier Rädern organisiert: Fabian holte uns am Bahnhof ab. Die erste Hälfte der Strecke unterhielten wir uns angeregt, dann gingen langsam die Themen aus – wie es eben so oft ist, bei diesen Mitfahraktionen. Dennoch, es war eine angenehme Fahrt. Keine komische oder gar peinliche Stimmung – auch sowas ist nicht ungewöhnlich.  Dabei ist Fabian Soldat – es prallten also Welten aufeinander. Wir erzählten vom Studium und er von seinem Panzerführerschein. Zwar war es eindeutig, dass wir der aktuellen Tätigkeit des jeweils anderem eher skeptisch oder gar kritisch  gegenüber standen und trotzdem entstand eine positive Atmosphere. Fabian war freundlich, interessiert und zuvorkommend. Und so buchten wir auch gleich die Rückfahrt am Sonntagabend bei ihm.

Für unseren Trip hatten wir uns von vorne rein vorgenommen Wahrzeichen – wie Berliner Tor, Reichstag und Pipapo – auszulassen. Da zum einen schon mal gesehen und zum anderen für uns eher langweilig. Auch aufs Feiern waren wir nicht aus. Stattdessen verbrachten wir die Zeit einfach damit in der Gegend herumzulaufen, hie und da etwas zu trinken und uns an allem satt zu sehen. Hier einige Erkenntnisse, die mir vorher noch nie so bewusst gewesen waren:

1. „Berliner Weisse“ wird meist als Mischgetränk ausgeschenkt. Ich kannte den Namen nur durch die gleichnamige Oi-Punkgruppe und war daher nicht davon ausgegangen, dass ich irgendetwas mit Himbeersirup serviert bekomme. Ist ja schließlich nicht sehr männlich – Himbeersirup. Wahrscheinlich bezieht sich die Gruppe dieses testosterongeschwängerten Genres eher auf das ursprüngliche Bier, ohne Zuckerzusatz. Naja, ist ja auch egal.

2. Berliner lieben Sushi. Eine Sushibar in jeder dritten Straße, Sushi im Supermarkt, Sushi in der S-Bahn-Sation, Sushi überall. Sushi, Sushi,Sushi.

3. Das berühmtberüchtigte Kreuzberg ist tatsächlich vergleichbar mit einer riesigen Hamburger Sternschanze. Ein Viertel Migranten, ein Viertel alternatives Leben, ein Viertel Yuppiethum, sowie ein Viertel Schaulustige. Diese Mengenangaben stimmen wahrscheinlich vorne und hinten nicht aber das sind die Grundin­gredienzien.

4. Coole Leute in Berlin sind grundsätzlich tätowiert. Wer nicht tätowiert ist und trotzdem cool, der verdankt eben diese Coolness seiner „Natürlichkeit“. Durch diese glaubt der Nicht-Tätowierte dem Tätowierten etwas voraus zu haben. Dem Körperkult entgeht also keiner. Wenn man sich nicht entscheiden kann zu welcher Gruppe man nun gehören soll, kann man auch einfach einzelne Körperteile in Klarsichtfolie einrollen. Dadurch zeigt man dann „Coolness In Progress.“ Wir haben´s gesehen! Es funktioniert!

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Alles in allem befanden wir Berlin (erneut) als wirklich schöne Stadt – extrem preisgünstig und vielfältig. Zum leben wäre es mir aber zu voll, zu groß und auch zu dreckig. Da bin ich einfach verwöhnt und auch zu sehr „norddeutscher Kuhdörfler.“ Mein persönliches Highlight war dann das Ramones-Museum in der Klausnicker Straße. Ich rechne es meiner Freundin hoch an, dass sie mit mir hinein gegangen ist. Schließlich gab es vor allem Scharzweissfotos von Menschen zu sehen, die ihr völlig unbekannt sind – dazu noch einige zerrissene Jeans und Sneaker hinter durchsichtigen Plastikwänden. Bei der Doku, die in einem kleinem Nebenraum gezeigt wurde, schlief sie dann doch ein. Den ganzen Film konnte ich ihr trotzdem nicht zumuten und nun wüsste ich gern den Titel dieses Machwerks. Vielleicht kann ich ihn sogar in den Weiten des Netzes entdecken. Da werde ich mich nocheinmal auf die Suche machen. Als Andenken habe ich mir dann noch dieses Shirt gekauft.

Bei unser Abfahrt trafen wir in der U-Bahnstation Schönhauser Allee noch auf einen etwas verwirrt wirkenden Mann mit langen zotteligen Haaren und einem dichten Rauschebart. Kurz vor uns wurde er von einem volltätowiertem Hool angerempelt. Zwar nicht vorsätzlich aber fahrlässig. Wir schenkten dem Alten einen mitleidigen Blick, den er verständnislos erwiederte. Dann sagte er – scheinbar richtete er seine Worte nur zu Hälfte an uns  und war in Gedanken schon wieder woanders: „Kranke Gehirne! Diese kaputten Großstädter!“

Auf der Rückfahrt erzählte Fabian uns noch einiges wissenswertes über Panzer – beispielsweise, dass man zwecks Flussdurchquerung einen bis zu zwei Meter hohen Turm auf die Gefährte montiert. Durch diesen könne dann Atemluft in das Kettenfahrzeug gelangen – aus dem Wasser guckt also nur die eiserne Röhre. Sollte der Panzer – durch starke Unebenheiten des Grundes oder andere Umstände, die zwar relativ unwahrscheinlich sind aber bisweilen dennoch auftauchen – auf die Seite Kippen – dann ist die Besatzung so gut wie tot, da auf der Ausgangsluke der Turm sitzt. Mit solcherlei Geschichten fuhren wir hinein in ein nächtliches Gewitter, auf in Richtung Heimat. Jaja, gemütlich war´s!

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4 Kommentare
  1. Flo sagte:

    Der Film heißt „End Of The century“. Danke fürs Rumkommen! (Flo/RMCM)

  2. Ist zwar schon etwas her, aber fein, daß es Dir hier in Berlin gefallen hat.
    Noch einen Nachtrag zu 1.: die Kaputten haben sich wahrscheinlich nur wegen ihrer Hautfarbe so genannt. Ich trinke meine Weiße am liebsten grün – Waldmeister..!
    2.: ja – dem stimme ich zu. Allerdings muß man schon genau kucken, wo das Sushi gut ist. Wenn ich in der Döner-Bude auch Pizza und Sushi kaufen kann, zeugt das zwar von einem geschäftstüchtigen Inhaber, aber nicht von Qualität.
    3. Da es in Kreuzberg im Nichtwinter immer sehr voll zugeht, lautet die richtige Mengenangabe: „Ein Drittel Migranten, ein Drittel alternatives Leben, ein Drittel Yuppiethum, sowie ein Drittel Schaulustige.“ Faschdehste?
    4.: ach naja. Wenn Du das nächste mal kommst, gehst du ins http://www.whitetrashfastfood.com

    • reprox sagte:

      Ich habe deinen Kommentar gerade erst entdeckt. Ist irgendwie an mir vorbeigegangen. Danke für deine Ergänzung – und 4. werde ich auf jeden Fall beherzigen 🙂

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