Hamburg – Frankfurt : Dear Mr. Safety!

Sicherheitskontrolle. „Einmal alles ablegen und die Taschen leeren. Hier in die Plastikschalen, bitte.“ Na, sicher Chef. „Nichts vergessen? Dann einmal durch die Schranke treten.“ Pieppieppiep. „Hören Sie mal, warum piepen Sie denn?“, sagt der Uniformierte und wedelt mit einer elektronischen Kelle vor mir rum, die ein hohes Fiepen erzeugt, sobald sie die Höhe meiner Hüften erreicht. „Äh, ja..“, stammel ich. Uniformen machen mich nervös. Haben sie schon immer. Zweck erfüllt.  „Das ist mein Schlüßelanhänger. Sorry.“ ich fummel den kleinen grünen Karabiner von einer der hinteren Gürtelschlaufen meiner Hose. „Den müssen Sie natürlich abnehmen,“ sagt der junge Sicherheitsmann. Dabei klingt er nicht nur mahnend, neutral sowieso nicht, sondern total herrisch. „Das habe ich natürlich vergessen,“ sage ich, mit einer Betonung auf dem vierten Wort. Jetzt ist aber gut, ich will ja keinen Ärger. „Hinter die Trennwand und die Füße auf den Hocker stellen..,“ okay, vielleicht kam das doch etwas flapsig rüber. Jetzt bloß schnell tun was der sagt. Ich steh mit beiden Beinen auf dem Hocker. Das war zu schnell. Der ist noch gar nicht fertig mit seinem Satz: „…einzeln. Zuerst den Linken.“ Da stehe ich aber schon 30 cm über dem augenrollenden Sichherheitsfuzzi. Also wieder runter, den ganzen Körper mit der Fiepskelle abkellen lassen, die beim Kellen keinen Fieps mehr gibt. Alles klar, danke dafür, tschüß. Beim Start der Maschine fresse ich im Eiltempo den Inhalt einer Crackertüte auf, welche mir beim Betreten des Flugzeugs von einer Stewardess gereicht wurde. Habe ich schon gesagt, dass mich das hier ganz schön nervös macht? „Mich macht das ganz schön nervös hier,“ sage ich zu meinem Sitznachbar, einem Baseballmützenträger in meinem Alter. Der guckt mich verständnislos an und hält mich wahrscheinlich für ein total obskures Landei. Na, dann nicht. Ich will auch eigentlich gar nicht reden. Wir heben ab. ich würge die letzten Cracker runter und hätte gerne Nachschlag. Durch das Bullauge kann man auf das spätabendliche Hamburg hinabblicken. Erst sind die Lichter noch ganz nah: Sehr viele orange, viele gelbe, einige rote und ganz vereinzelt mal ein grünes. Lichter der Fenster, Lichter der Autos, der Laternen, der Straßen und Strommasten. Lichter in Linien, Lichter in Reihen, Lichter in Feldern und chaotische Lichter. Langsam werden sie von der Entfernung und der Dunkelheit verschluckt. Bis die Stadt nur noch aussieht wie ein Häuflein verglimmender Kohlen, mitten im Nichts. Dann fängt alles an zu Ruckeln. Klapperndes Plastik, wippendes Fleisch. Mein Kopf fühlt sich plötzlich an, als hätte man mir einen Luftballon durch die Nase ins Hirn geschoben und angefangen, diesen mit kräftigen Atemzügen aufzupusten. Mit einem gut hörbaren Flupp-Geräusch durchbricht das Flugzeug die Wolkendecke. Alles ist weiß.

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