Ankunft in São Paulo

Der Flug von Frankfurt nach São Paulo: etwas anstrengend. Nach Betreten des Flugzeugs muss ich feststellen, dass mein Sitzplatz neben dem einer französischen Mutter mit Baby gelegen ist. Im Mittelgang zu meiner linken findet sich eine Familie mit zwei weiteren Kleinkindern ein . Grund hierfür: Ich sitze vor einer Trennwand, an der Vorrichtungen zum Anbringen von transportablen Wiegen befestigt sind. Na, großartig. Tatsächlich verlaufen der Start und auch die meisten der darauffolgenden Stunden aber noch relativ entspannt. Bis die Kinder um c.a. 5 Uhr morgens aus ihrem, bis dato äußerst festen, Schlaf erwachen. Dann geht das Geplärre los. Wasser auf die Mühlen meiner Kopfschmerzen. Die Erkältung bin ich eindeutig noch nicht los. Ich lächle freundlich und frage mich, ob der Knirps neben mir wohl durch das Bullauge passen würde.

Am Flughafen werde ich von meinem Cousin Alexandre einem seiner Freunde, Icaro, abgeholt. Es ist 8 Uhr morgens und  schon über zwanzig Grad warm. Icaro nimmt mir die Winterjacke ab – doppelte Knopfreihe, maritimer bis militärischer Schnitt – schlüpft hinein und vollführt eine grausam schlechte aber erheiternde Hitlerimitation. Ein Klassiker für Witzbolde weltweit, die auf einen Deutschen treffen. Wir steigen in einen Wagen. Durch das heruntergekurbelte Autofenster sammle ich meine ersten Eindrücke der Stadt. Wir brausen über die Schnellstraße, vorbei an großen Baustellen und vereinzelten, saftigen Grünstreifen.  Dort stehen Palmen, mir fremde Bodengewächse mit langen spitzzulaufenden Blättern, kräftige Bäume, z.T. umschlungen von lianenartigen Geflechten und andere mit weit ausladenden Kronen. Aus dem Radio kommt amerikanischer Country. Wir fahren vorbei an drei großen Gefängnissen mit verwaschenen grauen Mauern und verlassen aussehenden Wachtürmen.  Zwei für Männer, eins für Frauen, erklärt Alexandre. Wir unterqueren eine Brücke, an der meterhoch Dreck lagert. Ein Mann in abgerissener bunter Sportkleidung stochert darin herum. Durch das Fenster dringt ein widerlicher Geruch. An den Straßenrändern strampeln sich Rennradfahrer in voller Montur ab. Der Rio Tietê fließt zu unserer Linken, offensichtlich ein kranker Fluss. An seinen Rändern lagert Müll und Schrott. Überall wachsen Hochhäuser aus dem Boden, die meisten scheinen zum Wohnen gebaut. Aber je tiefer wir in die Stadt hineinfahren, desto mehr bürokratische Glaspaläste ragen in den Himmel. Oft keine hundert Meter weiter sieht man die berühmtberüchtigten Favelas. Kleine improvisierte Schachtelhäuschen aus orangenen Backsteinen und dicken Mörtelschichten, obenauf das dunkle Wellblech. Die Armutsviertel wuchern vor allem an abschüssigen Hängen. Vor einem der Eingänge eines solchen Viertels treten Kinder barfuß einen Ball durch die Gegend. Eine alte Frau hockt neben ihnen auf einer Getränkekiste und raucht. Da draußen ist so vieles. Ich lehne mich zurück und döse ein.

 

 

 

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