Von der befreienden Kraft die Dinge zu werfen

In diesem Jahr musste ich mir bereits zweimal ein neues Mobiltelefon kaufen. Das erste Mal, weil ich mein altes in der U-Bahn liegen ließ. Daraufhin orderte ich kostengünstig ein Smartphone bei Amazon. Es hielt eineinhalb Monate lang, bis ich in einem Anflug von Selbsthass, Liebeskummer und unkontrollierbarer Wut das Gerät gut vierzig Meter durch den Stadtpark warf. Dabei war ich bei den Bundesjugendspielen immer eine Niete im Weitwurf. Ich verfehlte nur knapp eine Oma, die ihren Dackel ausführte. Eigentlich war es gar kein Dackel aber zumindest eines von den Viechern, deren Beine proportional zu der Länge ihres Oberkörpers stummelig und kurz wirken. Hätte ich das Tier getroffen, wäre mein Telefon vielleicht noch heil und ich hätte nicht schon wieder ein neues kaufen müssen. Wieder bestellte ich dasselbe Model, legte die alte neue Micro-Sim ein und erzählte niemandem von meinem Missgeschick. Dieses Mal überlebte das Gerät ganze drei Monate. Auf dem ersten Festival des Jahres ließ ich es beim Pinkeln in den Tank eines Dixi-Klos fallen. Mit ungläubig-versoffenen Blick spähte ich in den schwarzen Abgrund und vergoss dabei beinahe eine Träne. Schlechtgelaunt torkelte ich zurück in die Sonne und bewarf einen arroganten Pfandsammler von Viva con Agua mit einem leeren Bierbecher. Das klingt böse, ist es aber nicht. Der Typ war echt ein Arsch. Und getroffen habe ich auch nicht.

Ein paar mobiltelefonlose Wochen später surfte ich auf der Seite eines Herstellers herum, der fair produzierte Telefone verkauft.  Nach einem Blick auf mein Konto wurde jedoch klar, dass ich nur mit Mühe und Not das Geld für die nächste Miete zusammenkratzen konnte. Wahrscheinlich auch egal. Sicherlich hätte auch dieser Apperat nicht lange überlebt.

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