Archiv

Archiv für den Monat November 2015

„Ständig tun wir so, als wären wir einander gleichgültig. Zumindest hoffe ich, wir tun nur so. Immer dann, wenn ich gerade denke, ich könnte die Menschen ganz gut einschätzen, schauen wir einander an und ich verstehe gar nichts.“

 

 

Advertisements

“Irgendwie den Schädel aufbrechen, irgendwie die Mauern einreißen, irgendwie mit dem Kopf durch die Wand. Da muss doch mehr sein, als das, was man gerade fühlt. Das muss hier irgendwo sein und da will man hin. “

“Guck dir mal dein Vokabular an. “Brechen”, “reißen”. Merks mal. Das ist ganz schön brutal. Meinst du nicht, dass man da auch irgendwie anders hinkommt?”

“Ja, doch sicherlich, bestimmt. Ganz bestimmt. Aber wenn du den ganzen Tag damit zubringst, eine scheißgroße Käseglocke mit deinen Händen abzutasten und den Ausgang nicht findest, dann willst du das Ding halt irgendwann kaputt haun.”

“Also, du willst deinen Schädel kaputt hauen und meinst, dann geht es dir besser. Oder wie? Versteh ich das richtig?”

“Ja, nein. Vielleicht. Ich mein doch die Glocke – nicht den Schädel. Also, irgendwo. Doch, schon. Man, du weißt ganz genau, was ich meine. “

Nach Angaben der Veranstalter – das ist natürlich immer so eine Sache – sind auf der Demo etwa 9000 Teilnehmer. Ganz gleich ob das nun stimmt, oder ob es weniger sind: So still, wie während der Schweigeminute für die Todesopfer von Paris – aber auch von Beirut – sowie für alle Menschen, die auf der Flucht vor Krieg, Folter, Terror und Armut ihr Leben ließen, für alle Toten, die noch folgen werden -, so still wie jetzt, hast du die Straßen vor dem Hamburger Hauptbahnhof noch nie erlebt. Und zufälligerweise kennst du diesen Ort ganz gut. Still. Es ist einfach still. Auf dem Schirm deines Vordermannes sammelt sich hanseatischer Nieselregen in tausend kleinen Perlen. Der Himmel ist grau verhangen und von irgendwoher ertönt die Sirene eines Feuerwehrwagens. Ansonsten. Einfach nur Stille. Flauer Magen, gedrückte Stimmung.

Mutti sagt, dein Bloggername ist blöd. Was soll der denn bedeuten. Du sagst, keine Ahnung, dir ist mal wieder nichts besseres eingefallen. Wie bei allen Dingen, die du tust. Keine zweite Bedeutungsebene, kein doppelter Boden. Reprox klingt mindestens genauso sperrig wie deine ehemaligen Pseudonyme auch. Kannst dich wirklich nicht erinnern wie du auf den Scheiß gekommen bist.

Gerade erst gecheckt, dass es eine gleichnamige Mediengruppe gibt. Ne, mit denen hast du nichts zu tun. Andauernd Namen ändern ist aber auch blöd.

Dein Herz geht heute Fallschirmspringen. Du würdest sowas ja nie machen. Aber dein Herz geht heute Fallschirmspringen. Mit anderen Dingen tust du dich weniger schwer: Zum Beispiel findest du es gar nicht schlimm, dich in einen Ring zu stellen und dir von anderen Typen eins auf die Omme hauen zu lassen. Das ist kein Problem, sogar belebend und auf irgendeine kranke Art schön. Aber diese ganzen Extremsportarten mit freiem Fall und so. Never ever. Du brauchst den Boden unter deinen Füßen. Sobald dein Kopf mal Sendepause hat, kannst du ganz gut mit deinem Körper umgehen. Aber Fallschirmspringen. Nein. Also hast du gesagt: „Mach´s gut, Herz. Viel Spaß, Herz.“ Und dann noch „Ich warte unten auf dich, Herz.“ Hast du auch getan. Jetzt stehst du vor einem roten Haufen Matsch.

Wenn man alte Platten wieder rausholt, auflegt und merkt, dass die Bedeutung der Musik mit der Zeit nicht ab – sondern zugenommen hat. Was besseres kann einem doch gar nicht passieren. Das Album „All we need is silence“ habe ich vor Jahren mal von einem Grabbeltisch mitgenommen, ohne zu ahnen, was für eine großartige Entscheidung ich damit getroffen hatte. Selbst an Tagen, an denen mir melancholischer Indierock derartig zum Hals raushängt, geht diese Scheibe immer noch. Herzbruchsongs für die Ewigkeit. Welcher davon der beste ist, ich kann es nicht sagen. Ich halte mir mit einer Hand die Augen zu und tippe mit der anderen blind auf.. Homesick! Sollte die Sammlung wahrscheinlich mal um ein weiteres Machwerk erweitern.