Nachtbus

Eine Kaugummiblase platzt und heraus strömt heißer Atem als feiner Dampf. Die kalte Nachtluft ist getränkt von den Abgasen der Straße und Zigarettenrauch sammelt sich unter dem gläsernen Dach der Haltestelle. Neonröhren tauchen den Busbanhof in ein unversöhnliches Gelbgrün. Das Licht läßt jeden Wartenden erscheinen, wie einen einsamen Planeten. Wir sind lebende Organismen in der Kälte eines grobkörnigen Universums, befremdlich und abgelegen, nah beieinander und unendlich fern. Ein sterbender Stern trägt Hausschuhe bei minus drei Grad und Kotzeflecken auf der zerfetzten Übergangsjacke. Die Zutaten eines Döners hängen in seinem filzigen Bart und unter seinem Arm klemmt eine Flasche Coca Cola, in der nicht nur  Coca Cola ist. Eine Kollision von Himmelskörpern geschieht am Fahrplanaushang. Zwei Männer brüllen sich auf russisch an und tänzeln in Boxerposen besoffen aufeinander zu. Der schönste Meteor am Himmel ist ein großes Mädchen, dass im Abseits steht und rosa Blasen platzen läßt.

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