Archiv

Alle Beiträge

Advertisements

Der typische Amsterdammer Kiffertourist ist kein Hippie.

Der typische Amsterdammer Kiffertourist frißt sich mit Nestléprodulten voll und knallt sich ausschließlich mit den härtesten Grassorten zu, bis er so high ist, das er vergisst nach dem Kacken zu spülen.

Dankeschön.

Der typische Amsterdammer Kiffertourist ist ein Tourist.

Fayaaz sagt, einmal in seinem leben habe er einen billionar getroffen. einfach so, auf der strasse. billionaer hat alles, was mit geld bezahlbar ist, aber das heisst nicht, dass er es auch immer dabei hat. feuer zum beispiel, hat er keines. also fragt er fremde menschen: do you have a lighter? Fayaaz hat feuer und natuerlich gibt er es diesem typ, der aussieht wie ein strassenjunkie. aber billionaer ist kein strassenjunk. billionaer ist high society junk. optisch macht das aber keinen unterschied. 15 jahre lang hat er sein gehirn mit drogen zerstoert und jeden bezug zur realitaet verloren. die beiden unterhalten sich und Fayaaz erfährt die geschichte seiner strassenbekanntschaft. langsam aber nur ganz langsam schwant es ihm, was fuer eine riesige schwarze wolke ueber seinem gegenueber haengt. ein amerikanisches mitglied der obersten kreise dieser welt, irgendwo verloren in amsterdam. trifft auf einen local und baut eine lose aber intensive beziehung auf. billionaer macht dem jungen marrokaner angst. nach einer durchzechten nacht laedt billionaer den jungen mann in das teuerste hotel der stadt ein, wo er sich bestellen soll, was zur hoelle er moechte. waehrend billionaer eine dusche nimmt, sitzt Fayaas auf einer riesigen ledercouch und versteht nicht, was gerade passiert. ein klingeln an der tuer der first class suite. unsicher oeffnet er zwei krawattentraegern, die sich als persoenliche aerzte vom gastgeber entpuppen. 10 minuten spaeter liegt billionaer mit ausgestreckten armen auf einem seidenbett und laesst sich eine blutwaesche verpassen. Fayaas ist in einem alptraum gefangen und draengt sich in eine zimmerecke mit grossem Fenster. er oeffnet es und schaut vom sechsten stock auf die kreuzung vor dem hotel. dann dreht er sich wieder in den raum hinein und beobachtet einen sterbenden jesus, der sich von unheimlichen doktoren mit spritzen behandeln laesst. niemand spricht ein wort. heute sagt Fayaas, hätte auch nur einer der drei ihn angesprochen, waere er ohne zu zoegern aus dem fenster gehuepft. noch einmal 10 minuten spaeter sitzen billionaer und Fayaas allein auf der ledercouch. die aerzte haben sich foermlich und mit kraeftigen haendruecken verabschiedet. nicht ohne den hinweis, gut auf ihren patienten acht zu geben. jetzt fragt sich Fayaas nur noch heimlich, wie er sich hoeflich aus diesem horrorfilm verabschieden kann, der so echt ist, wie nur irgendetwas echt sein kann. in seinem eigenen leben arbeitet er als paketlieferant. oft musste er mit den zaehne knirschen, wenn er wiedereinmal etwas knapp bei kasse war. jetzt sagt er, dass er froh ist, nicht reich geboren worden zu sein. wofuer lebst du, wenn du alles haben kannst, waehrend deine familie in die weite ferne von dem abdriftet, was manche leute freiheit nennen. aufgeloeste strukturen und menschen ohne eine verbindung zu den noeten eines lebens. man muesste billionaer schon ein paar jahre einsperren, um seinen koerper vom jahrelangen missbrauch zu reinigen. und vielleicht, vielleicht bestuende dann die moeglichkeit, dass seine psyche noch irgendwie zu erreichen ist. aber welcher staat sperrt menschen ein, die soviel geld hin- und herschieben, dass man damit die nationalmanschaften aller herren laender als persoenliche schachfiguren missbrauchen kann. Fayaaz sagt, einmal in seinem leben habe er einen billionar getroffen. und noch nie habe er an ein und demselben tag soviel gelernt.

durch die einkaufszone der millionenstadt fliesst ein strom aus menschen.
hier, wo alle leute gleich sind, solange sie nur geld haben, wandelt sie wie eine lebendige leiche.
die arme ueber die brust gekreutzt, wie man es mit toten tut, die man in einer letzten wuerdevollen geste unter die erde bringt.
ihre haltung sagt alles.
sie sagt dasselbe, wie ihre dunkle haut, die genauso braun ist wie aschfahl.
sagt dasselbe, wie ihre augen, die leblos und betaeubt wirken.
hinter den lidern liegt der schmerz, wie eine tiefe schwarze see.
alles an der koerperlich jungen frau schreit dieselben zwei worte heraus.
ich sterbe.

die unnatuerlichkeit ihrer pose ist verstoerend.
niemand, dem es psychisch auch nur halbwegs gut geht, laeuft so durch diese welt.
sie gibt sich selbst eine umarmung.
spuert die waerme der eigenen haut und wuenschte, es waere die eines anderen.
wiegt sich wie ein kind in der anonymen masse.
wer bist du und was hat man dir angetan.
so schnell wie sie aufgetaucht ist, wird sie auch wieder verschluckt.

Nach Feierabend stehen sie in verschwitzten Franchiseuniformen hinter gläsernen Auslagen. Fastfood verkaufen, Kaffee ausschenken, den Boden kehren und die Kasse zählen. Freundlich sein, ansprechbar sein und nicht zu langsam. Die Ladenfront schließen und vor dem Hinterausgang Zigaretten rauchen. Sich zwischen Müllcontainern und Pappkartons gegen die Wand lehnen, den Blick durchs Nichts schweifen lassen. Ein taubes Wummern zwischen den Schläfen fühlen und versuchen sich nicht darauf zu konzentrieren. Mit den Kollegen fluchen. Mit den Kollegen schweigen. Sich von Kollegen verabschieden. Den Bus nach Hause nehmen und mit überreizten Netzhäuten auf glühende Displays starren. Persönliche Nachrichten dechiffrieren und spätestens bei der Interpretation kläglich scheitern.