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Auditives

Wenn man alte Platten wieder rausholt, auflegt und merkt, dass die Bedeutung der Musik mit der Zeit nicht ab – sondern zugenommen hat. Was besseres kann einem doch gar nicht passieren. Das Album „All we need is silence“ habe ich vor Jahren mal von einem Grabbeltisch mitgenommen, ohne zu ahnen, was für eine großartige Entscheidung ich damit getroffen hatte. Selbst an Tagen, an denen mir melancholischer Indierock derartig zum Hals raushängt, geht diese Scheibe immer noch. Herzbruchsongs für die Ewigkeit. Welcher davon der beste ist, ich kann es nicht sagen. Ich halte mir mit einer Hand die Augen zu und tippe mit der anderen blind auf.. Homesick! Sollte die Sammlung wahrscheinlich mal um ein weiteres Machwerk erweitern.

All die Lieder mit der ewig gleichen Botschaft. All die Kühlschränke mit ihrer Postkartenweisheit. Ständig sagen sie dasselbe. Du sollst „du selbst“ sein. „Dich nicht verbiegen“. „Zu dir selbst stehen.“ Ist ja alles schön und gut. Aber wer schreibt dieses ganze Zeug eigentlich? Braucht man wirklich soviel davon? Diese Ratschläge sind so allgegenwärtig, man könnte meinen, wir müssten uns ständig gegenseitig daran erinnern, nicht in fremde Rollen zu verfallen. Und genauso ist es ja auch. Oder vielleicht doch nicht? Und sollen auch Arschlöcher mehr „sie selbst“ sein? Was ist mit den Menschen, denen es mal ganz gut täte, ein bisschen weniger so zu sein, wie sie eben sind. Jetzt sag nicht, da fällt dir niemand ein. Wie sehen deren Kühlschränke aus? Singen die auch immer laut mit, wenn einer dieser Songs gespielt wird?

Oasis. Ich war zu jung, um den Aufstieg der Band in den 90ern so richtig mitzuverfolgen, keine zehn Jahre alt. Aber dank dem Musikfernsehen hatte ich sie trotzdem schon auf dem Schirm. Die waren irgendwie wahnsinnig seltsam für mich. Während die meisten anderen Popstars, die ich damals kannte, Songs aus der Retorte spielten,  hatten die echte Instrumente. Echte Instrumente! WAHNSINN! Ich wusste da noch nicht, wie der Name dieser Musik war, die mich noch total glückselig machen sollte.

Die beiden schlecht gelaunten Typen, von denen ich bald erfuhr, dass sie Brüder waren, trugen komische Pilzfrisuren. Sowas hatte ich schon mal auf den Platten meiner Mutter gesehn. So verstaubtes altes Zeug. Ohne Oasis hätte ich als Kind nie gecheckt, dass ich die Beatles liebe. Das es nicht darauf ankommt, wie alt ein Song ist, solange er nur etwas mit dir macht.

Und all die Bands, die von da an folgten. Aber ich komme vom Hundertstel ins Tausendstel. Diese Musik ist mehr als ein direkter Link zu höheren Sphären. Für manche Leute einfach nur Britpop – überflüssiges Retrorockgewichse für Leute die Musik mit ihren Augen hören. Für manche aber auch  Britpop – Das beste was Rockmusik passieren konnte und der Grund warum England wieder auf der Karte ist. Nach dem ganzen deprimierenden Grungekram. Nicht falsch verstehen, auch geil. Ich sag gar nichts von alledem. Für mich ist es einfach eine elegante, leichtfüßige Form von Rock´n´Roll. Soll das mal jeder für sich selbst ausmachen. Schreibt doch eure eigenen Artikel!

Wenn das Leben ein Test wäre.

Du wärst durchgefallen.

Du guckst aus dem Fenster und machst nichts.
Du guckst an die Decke und machst nichts.

Du versuchst zu erkennen was die anderen tun.

Und erkennst nichts.

Dann machst du das,

was am ehesten dem ähnelt,

was du nicht erkennst.

„Kann ich schon abgeben?“

Draußen scheint die Sonne

und in deinem Kopf

ist Musik.