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Gedanken & Momente

„Nichts ist echt, außer Du fühlst es,
nichts ist da, außer du berührst es,
und nichts kann Dich berührn, während Du nach Formeln suchst zum Glücklichsein,
kein Wort ist wahr, nur weil es dokumentiert ist,
und nichts wird klar, nur weil es gut recherchiert ist,
und nichts wird erlöst, nur weil Du ständig nachdenkst über Ungerechtigkeit“

M. R. Vogel

Laß die Küche wie sie ist. Den Abwasch, der als schmutziger Berg aus der Spüle wächst. Und auch dein Zimmer, laß es wie es ist. Die getragene Kleidung, die überall umher fliegt. Noch einmal einschlafen mit juckender Haut. Morgen in die Heimat fahren und dich wieder fragen lassen, wie es denn nun mit dir weiter geht. Raus aus dieser Stadt, in der du viele Menschen kennst, aber niemanden, bei dem du einfach sein kannst. Wie soll das auch gehen, wenn man sich nicht einmal selbst ertragen kann.

Und wenn du wissen willst, wie es sich anfühlt, dann füge vor jedes Nomen noch ein Schimpfwort, das unter die Gürtellinie geht.

Der Gedanke jetzt irgendetwas aufzuchreiben. Um zu sehen, dass man noch da ist. Um Ruhe zu finden. Um die Abfolge der Buchstaben in Informationen umzuwandeln, die hoffentlich etwas hergeben. Etwas dass entspannend wirkt auf all deine Wirrungen. Um zu sehen, dass auch die Ruhe von Grund auf in dir angelegt ist. Das alles gut ist.

Nach diesen Nächten ist dein Körper nur noch eine dünne Hülle. Beinahe durchsichtig. Die Morgensonne fällt auf die Stadt, aber auf dich, da fällt sie nicht. Sie geht einfach durch dich hindurch. Du fühlst dich klapperig und leicht. Beinahe, als würde der Wind dich jeden Moment mit sich nehmen. Und wenn er kommt, dann wirst du dich nicht gegen ihn wehren. Du wirst sagen, trag mich höher und dich freuen, wie klein die Welt von hier oben ist. Aber auch der Wind findet keinen Halt an dir. Wie das Licht strömt er durch deinen Umriß und  weht weiter seiner Wege. Wo auch immer er hin will.

“Irgendwie den Schädel aufbrechen, irgendwie die Mauern einreißen, irgendwie mit dem Kopf durch die Wand. Da muss doch mehr sein, als das, was man gerade fühlt. Das muss hier irgendwo sein und da will man hin. “

“Guck dir mal dein Vokabular an. “Brechen”, “reißen”. Merks mal. Das ist ganz schön brutal. Meinst du nicht, dass man da auch irgendwie anders hinkommt?”

“Ja, doch sicherlich, bestimmt. Ganz bestimmt. Aber wenn du den ganzen Tag damit zubringst, eine scheißgroße Käseglocke mit deinen Händen abzutasten und den Ausgang nicht findest, dann willst du das Ding halt irgendwann kaputt haun.”

“Also, du willst deinen Schädel kaputt hauen und meinst, dann geht es dir besser. Oder wie? Versteh ich das richtig?”

“Ja, nein. Vielleicht. Ich mein doch die Glocke – nicht den Schädel. Also, irgendwo. Doch, schon. Man, du weißt ganz genau, was ich meine. “