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Reisen

 

Mit der Stirn gegen die Fensterscheibe gelehnt wache ich auf. Ich blinzle der Morgensonne entgegen. Ihre Strahlen klettern über rundliche Bergketten, die ganz und gar mit dem immerselben kniehohen Gras bewachsen sind. Beinahe kommt es mir vor als würde ich in einer Nußschale über ein olivgrünes Meer schippern. So ähnlich fühlt sich auch mein Magen an. Bergauf, Bergab, Bergauf, Bergab. Schiff ahoi, mein Gedärm rotiert. Die Bordmusik ist für mich auch kein Vergnügen. Der Song, den ich auf dieser Fahrt hassen lerne stammt von Flow Rida. Ich weiss HipHop durchaus zu schätzen  und auch gegen Songs mit sexueller Konnotation habe ich nicht viel einzuwenden. Aber dieses Gebummse hat mit ersterem kaum etwas zu tun und die Zeilen Can you blow my whistle baby, whistle baby, gefolgt von einer gepfiffenen Melodie – müssen dem Gehirn eines mongoliden Crackjunkies entsprungen sein. Dann fahren wir in eine endlose Eukalyptusplantage hinein, die mindestens genauso langweilig anzustarren ist, wie das Olivengras. Whistle am Arsch!

Irgendwann beginnt dann endlich der Regenwald. Der gar kein Regenwald ist. Stattdessen nennt man dies hier den atlantischen Wald, das sagt man mir jedenfalls. Meinetwegen, ich habe jedenfalls noch nie etwas derart regenwaldähnliches gesehen. Majestätisch, grün, undurchdringlich. Auf einer schmalen Serpentine fahren wir in ein Gebirge hinein, dass die bisherige Berglandschaft um das Vielfache überragt. Es geht jetzt nur noch im Schneckentempo voran, wir sind Teil einer riesigen Karawane. Die engen Kurven fordern ihre Tribute. Am Straßenrand liegen alle fünf Meter Radkappen. Ein junges Pärchen steht streitend vor der qualmenden Motorhaube ihres zerdellten VW-Kombis. Allein die Rollerfahrer brausen freudig an uns vorbei. Zur Mittagszeit erreichen wir Paraty, eine Kleinstadt mit historischem Kern, die im 17. Jahrhundert von den Portugiesen erbaut wurde. Die weißgestrichenen Fassaden der historischen Häuser erstrahlen in einem gleißenden Weiß. Sie reihen sich entlang einer schmalen Bucht, an derern äußersten Stelle eine alte Kirche triumphierend die Schiffe am Horzizont begrüßt. Hier werde ich also die letzten Tage meines Kurzurlaubes verbringen.

Später wird diese Zeit in meinem Kopf verschwimmen. Sie wird eine Aneinanderreihung von kurzen Episoden sein, die nur durch eine zähe Masse aus gemächlicher Langeweile zusammengehalten wird. Da sind zum Beispiel wir alle an einem riesigen Wasserfall. Wie wir gemeinsam mit einer Scharr Einheimischer Erfrischung im eiskalten Quellwasser suchen. Um uns herum der dichte Wald. Oder ein anderes Bild: Wieder wir alle. Mit verschränkten Armen und ungläubigen Gesichtern starren wir auf die aufgebrochene Tür unseres Ferienhauses. Wir stellen den Verlust von zwei Uhren, einem Handy, einer Halskette und etwas Bargeld fest. Da sind Alexandre und ich, auf Kajaks vor der Bucht. Mit unseren um die Stirn gewickelten T-Sirts. Mit unseren Beinen zu beiden Seiten der schmalen Boote im Salzwasser. Mit niedergelassenen Paddeln. Wir treiben auf dem stillen Wasser sanft nebeneinander her. Blicken auf den Strand, wo die anderen noch in der Sonne liegen. Blicken auf das gigantische Gebirge, das sich hinter unseren unwissenden Freunden auftürmt. Blicken auf dunkle Wolken, die von einer Minute auf die andere Flächen verdunkeln, die so groß sind wie Fußballfelder. Die immer näher kommen. Schauen den Touristen zu, wie sie mit ihren Badesachen vor den dicken Regentropfen fliehen. Genießen einen letzten Augenblick die brennenden Strahlen auf unserer nackten Haut. Genießen noch mehr die niederpraßelnde Erfrischung. Wieder ein Bild. Ich sitze auf der Rückbank von Rafaels Kleinwagen. Vorne erklärt mein Irgendwie-Verwandter seiner Ehefrau die englischen Texte einer christlichen Rockband, die aus den Autoboxen dröhnt. Kurz darauf Rafael und ich an einem Restauranttisch, die Rotweingläser in den Händen. Wie ich ihm erkäre, dass ich nicht gläubig bin und, dass ich Homosexualität nicht für abnormal halte. Da bin ich nachts auf der Straße vor unserem Haus, wo ich unseren Nachbarn Stefan kennenlerne: ausgrerechnet mitten in Lateinamerika steht plötzlich ein Typ vor mir, der aus Hamburg kommt. Jemanden, der  nur einige Kilometer entfernt von meinem Zuhause aufgewachsen ist. Seine brasilianische Frau holt die Kinder ins Haus, die um uns herumturnen und deutsche Wörter brüllen. Da ist die ganze Reisegruppe am Strand. Alle tragen Weiss, so wie es an Silvester brasilianische Tradition ist. Wir schauen hinaus auf die Feuerwerke der Küstenstädte, die in einem einzigen Wettstreit die Bucht zum leuchten bringen. Dann die letzte Momentaufnahme. Ich, Alexandre, Icaru und Rafael am Flughafen. Wie mich alle drei am Gate verabschieden. Wie Icaru auf Englisch brüllt,  ich solle Acht auf die Drogen geben. Ich. im. Flieger.

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Ein weiteres mal tauchen wir ein in die Hochhausschluchten der Stadt. Alexandre lenkt den Wagen, ich sitze auf dem Beifahrersitz und auf der Rückbank turnt Icaro unruhig hin und her. Anschnallgurt: Fehlanzeige. Als wSDC10948ir eine Gruppe Mädchen passieren, läßt er es sich nicht nehmen,  nach vorne zu klettern und mit der Faust auf die Hupe zu hämmern, um sich anschließend aus dem Fenster zu lehnen und laut und schrill „Ayayayhayay“ zu kreischen. Ich muss lachen und gleichzeitig verschämt die Hand vor Augen halten. Es ist stark bewölkt und obwohl man sie nicht sehen kann, brennt die Sonne auf der Haut. Dicke warme Luft strömt in den Wagen und durchflutet die Lungenflügel. Wir rollen vorbei an Supermärkten mit bunt gestrichenen Fassaden, an Straßenhändlern mit Holzkarren voller Früchten, an einer Gruppe dunkelhäutiger Männer, die nur in kurzen Hosen bekleidet auf dem Kantstein hocken, wild gestikulieren und  eine Plastikflasche voll brauner Flüßigkeit miteinander teilen. Immer entlang der niedrigen Strommasten, die einen schier unglaublichen Wust an Kabeln tragen und vollkommen überladen unter der Last von schwarzgummierten Kupfer ächzen.

Wir kaufen Zuckerrohrsaft von einem Verkäufer, der diesen in seinem alten VW-Bus mit einer Maschine fabriziert, die ein wenig an einen Schredder erinnert. Cana de açucar ist weiß, süß und kann mit Limonen oder Cranberry-Geschmack bestellt werden. Beides ist vorzüglich. Nun wird es langsam dunkel. Das bedeutet, man sollte sich nicht mehr aus den Menschenströmen herauslösen. „Tagsüber ist das kein Problem. Da muss man nur auf Taschendiebe aufpassen. Aber Nachts sind hier größtenteils Junkies und Prostituierte untwerwegs. Überfäl2013-12-27le sind dann nichts ungewöhnliches mehr.“ Also fließen wir in einem bunten Strom den Bordstein entlang. In einer vollbestzten Bar spielt eine Sambaband, einige Leute tanzen, die meisten aber sitzen draußen an kleinen runden Tischen und schaffen es mit ihrem Stimmengewirr beinahe die Musik zu übertönen. Vor einem Erotikkino stehen ein paar Transvestiten in kurzen bunten Kleidern. Auf Stöckelschuhen und mit stolzem Blick schauen sie auf die Menschenflut herab. Händler preisen  Pornofilme für Liebhaber verschiedenster Stilrichtungen an. Auf der anderen Straßenseite erstreckt sich ein großer Park in tiefem, tiefem grün. Die Farbe wirkt so saftig, der Anblick so idyllisch und die dunklen Zwischenräume der majestätischen Pflanzen so beruhigend, dass man am liebsten hinübergehen würde, um sich darin zu verlieren. Aber jeder hier weiß: Das tut man zu dieser Uhrzeit einfach nicht.

Es ist drei Uhr morgens und wir fahren mit hohem Tempo durch die leeren Straßen. Man könnte auch sagen, wir rasen. Aus den Lautsprechern tönt elektronische Musik. Der Himmel hat ein angenehmes Blau, nicht zu dunkel und nicht zu hell, so dass sich die Umrisse der Hochhäuser deutlich abzeichnen. São Paulo hat eine Skyline, die scheinbar nie enden will. Links vor uns kommt eine gigantische Spinne in Sicht, die versucht mit langen stählernen Beinen über den Rio Tietê zu klettern. Wir werden sie überlisten und einfach über ihren Rücken fahren, um nach Hause zu gelangen. Eines der Mädchen sagt: „Ich liebe es, so schnell zu fahren.“ Ich eigentlich gar nicht. Aber jetzt, in diesem Moment, da kann ich sie gut verstehen.

 

 

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Ich stehe mit Icaro im chinesischen Viertel Downtown. Die Ampeln hier haben ihr eigenes Piktogram, ein Symbol, dass aussieht wie ein asiatischer Tempel. Ähnliches habe ich auch schon im Finanzviertel gesehen.  Dort war es die Form eines modernen Kunstbaus, das von den Verkehrszeichen imitiert wurde. Ich finde dieses  Detail sehr lustig, in Deutschland wäre das angesichts unserer Regulierungswut wohl undenkbar. Icaro, der kein Deutsch aber dafür Englisch spricht, bietet mir eine Zigarette an. Nagut, überredet. „Das ist die älteste Kirche hier im ganzen Viertel.“, erkläSDC109322rt er mir und zeigt auf eine kleine blaue Kapelle. Durch die offene Tür sieht man den weißgekleideten Priester in ein Mikrofon sprechen. Irgendwie komisch, denn die vielleicht zehn bis zwölf Gläubigen, die vor ihm auf den Holzbänken sitzen, sollten ihn eigentlich auch so gut verstehen können. Naja, vielleicht hat der Mann zuviel geraucht. Ich will Icaro sein Feuerzeug zurückgeben und halte es in sein Sichtfeld. „Die Stadt würde das Ding am liebsten abreißen. Geht aber nicht. Wegen Denkmalstatus und so“, fährt er fort. Ich wedel mit dem roten Stück Plastik vor seiner Nase rum. „Das ist mit  einigen der Gebäude hier so. Letztendlich wird dann einfach irgendwie drumrum gebaut.“ Ich erzeuge Funken direkt vor seinem Gesicht. „Schon komisch, oder?“, fragt er, wendet den Kopf zu mir und erschrickt vor meiner Hand. Ich habe ihm das Teil gefühlte zwei Stunden vor die Nase gehalten. Die Erklärung folgt sodann: Icaro ist als Kind gegen einen Türgriff gerannt und seither auf einem Auge blind. Sieht man aber gar nicht – und erklärt auch seinen verrückten Fahrstil.

Wobei, der Rest der Verkehrsteilnehmer fährt auch SDC109191nicht besser. Das Auge wird wohl doch nicht der Grund sein. Alles fährt kreuz und quer, schon allein um den endlosen Schlaglöchern auszuweichen. Wir hupen jeden an, der uns entgegenkommt. Icaro sagt, Hupen gehört in Brasilien zum guten Ton. Wir hupen den Straßenfeger an und winken ihm freundlich zu, er erwiedert die Geste lachend. Wir hupen den Vordermann an, der zu lange an der Ampel braucht. Wir hupen das Mädchen an, das im Bus eingeschlafen ist und mit dem Kopf gegen die Scheibe lehnt. Nur die zwei düsteren Typen im komplett zerschossenen Mercedes – zerschossen ist hier wortwörtlich zu nehmen, manche der Einschusslöcher sind notdürftig zugekleistert, andere wohl noch frisch – die hupen wir mal vorsichtshalber nicht an. Ansonsten aber alles und jeden. Straßenteilnehmer, denen auch das oft nichts mehr nützt sind die Motorradfahrer. Zweimal in zwei Tagen sah ich nun schon am Boden liegende Biker, umringt von Zivilisten und Polizeibeamten. Inklusive Blut auf dem Asphalt.

Der Flug von Frankfurt nach São Paulo: etwas anstrengend. Nach Betreten des Flugzeugs muss ich feststellen, dass mein Sitzplatz neben dem einer französischen Mutter mit Baby gelegen ist. Im Mittelgang zu meiner linken findet sich eine Familie mit zwei weiteren Kleinkindern ein . Grund hierfür: Ich sitze vor einer Trennwand, an der Vorrichtungen zum Anbringen von transportablen Wiegen befestigt sind. Na, großartig. Tatsächlich verlaufen der Start und auch die meisten der darauffolgenden Stunden aber noch relativ entspannt. Bis die Kinder um c.a. 5 Uhr morgens aus ihrem, bis dato äußerst festen, Schlaf erwachen. Dann geht das Geplärre los. Wasser auf die Mühlen meiner Kopfschmerzen. Die Erkältung bin ich eindeutig noch nicht los. Ich lächle freundlich und frage mich, ob der Knirps neben mir wohl durch das Bullauge passen würde.

Am Flughafen werde ich von meinem Cousin Alexandre einem seiner Freunde, Icaro, abgeholt. Es ist 8 Uhr und  schon über zwanzig Grad warm. Icaro nimmt mir die Winterjacke ab – doppelte Knopfreihe, maritimer bis militärischer Schnitt – schlüpft hinein und vollführt eine grausam schlechte aber erheiternde Hitlerimitation. Ein Klassiker für Witzbolde weltweit, die auf einen Deutschen treffen. Wir steigen in einen Wagen. Durch das heruntergekurbelte Autofenster sammle ich meine ersten Eindrücke der Stadt. Wir brausen über die Schnellstraße vorbei an großen Baustellen und vereinzelten, saftigen Grünstreifen.  Dort stehen Palmen, mir fremde Bodengewächse mit langen spitzzulaufenden Blättern, kräftige Bäume, z.T. umschlungen von lianenartigen Geflechten und andere mit weit ausladenden Kronen. Aus dem Radio kommt Südstaatencountry. Wir fahren vorbei an drei großen Gefängnissen mit verwaschenen grauen Mauern und verlassen aussehenden Wachtürmen.  Zwei für Männer, eins für Frauen, erklärt Alexandre. Wir unterqueren eine Brücke, an der meterhoch Dreck lagert. Ein Mann in abgerissener bunter Sportkleidung stochert darin herum. Durch das Fenster dringt ein widerlicher Geruch. An den Straßenrändern strampeln sich Rennradfahrer in voller Montur ab. Der Rio Tietê fließt zu unserer Linken, offensichtlich ein kranker Fluss. An seinen Rändern lagert Müll und Schrott. Überall wachsen Hochhäuser aus dem Boden, die meisten scheinen zum Wohnen gebaut. Aber je tiefer wir in die Stadt hineinfahren, desto mehr bürokratische Glaspaläste ragen in den Himmel. Oft keine hundert Meter weiter sieht man die berühmtberüchtigten Favelas. Kleine improvisierte Schachtelhäuschen aus orangenen Backsteinen und dicken Mörtelschichten, obenauf das dunkle Wellblech. Die Armutsviertel wuchern vor allem an abschüssigen Hängen. Vor einem der Eingänge eines solchen Viertels treten Kinder barfuß einen Ball durch die Gegend. Eine alte Frau hockt neben ihnen auf einer Getränkekiste und raucht. Da draußen ist so vieles. Ich lehne mich zurück und döse ein.

 

 

Sicherheitskontrolle. „Einmal alles ablegen und die Taschen leeren. Hier in die Plastikschalen, bitte.“ Na, sicher Chef. „Nichts vergessen? Dann einmal durch die Schranke treten.“ Pieppieppiep. „Hören Sie mal, warum piepen Sie denn?“, sagt der Uniformierte und wedelt mit einer elektronischen Kelle vor mir rum, die ein hohes Fiepen erzeugt, sobald sie die Höhe meiner Hüften erreicht. „Äh, ja..“, stammel ich. Uniformen machen mich nervös. Haben sie schon immer. Zweck erfüllt.  „Das ist mein Schlüßelanhänger. Sorry.“ ich fummel den kleinen grünen Karabiner von einer der hinteren Gürtelschlaufen meiner Hose. „Den müssen Sie natürlich abnehmen,“ sagt der junge Sicherheitsmann. Dabei klingt er nicht nur mahnend, neutral sowieso nicht, sondern total herrisch. „Das habe ich natürlich vergessen,“ sage ich, mit einer Betonung auf dem vierten Wort. Jetzt ist aber gut, ich will ja keinen Ärger. „Hinter die Trennwand und die Füße auf den Hocker stellen..,“ okay, vielleicht kam das doch etwas flapsig rüber. Jetzt bloß schnell tun was der sagt. Ich steh mit beiden Beinen auf dem Hocker. Das war zu schnell. Der ist noch gar nicht fertig mit seinem Satz: „…einzeln. Zuerst den Linken.“ Da stehe ich aber schon 30 cm über dem augenrollenden Sichherheitsfuzzi. Also wieder runter, den ganzen Körper mit der Fiepskelle abkellen lassen, die beim Kellen keinen Fieps mehr gibt. Alles klar, danke dafür, tschüß. Beim Start der Maschine fresse ich im Eiltempo den Inhalt einer Crackertüte auf, welche mir beim Betreten des Flugzeugs von einer Stewardess gereicht wurde. Habe ich schon gesagt, dass mich das hier ganz schön nervös macht? „Mich macht das ganz schön nervös hier,“ sage ich zu meinem Sitznachbar, einem Baseballmützenträger in meinem Alter. Der guckt mich verständnislos an und hält mich wahrscheinlich für ein total obskures Landei. Na, dann nicht. Ich will auch eigentlich gar nicht reden. Wir heben ab. ich würge die letzten Cracker runter und hätte gerne Nachschlag. Durch das Bullauge kann man auf das spätabendliche Hamburg hinabblicken. Erst sind die Lichter noch ganz nah: Sehr viele orange, viele gelbe, einige rote und ganz vereinzelt mal ein grünes. Lichter der Fenster, Lichter der Autos, der Laternen, der Straßen und Strommasten. Lichter in Linien, Lichter in Reihen, Lichter in Feldern und chaotische Lichter. Langsam werden sie von der Entfernung und der Dunkelheit verschluckt. Bis die Stadt nur noch aussieht wie ein Häuflein verglimmender Kohlen, mitten im Nichts. Dann fängt alles an zu Ruckeln. Klapperndes Plastik, wippendes Fleisch. Mein Kopf fühlt sich plötzlich an, als hätte man mir einen Luftballon durch die Nase ins Hirn geschoben und angefangen, diesen mit kräftigen Atemzügen aufzupusten. Mit einem gut hörbaren Flupp-Geräusch durchbricht das Flugzeug die Wolkendecke. Alles ist weiß.