durch die einkaufszone der millionenstadt fliesst ein strom aus menschen.
hier, wo alle leute gleich sind, solange sie nur geld haben, wandelt sie wie eine lebendige leiche.
die arme ueber die brust gekreutzt, wie man es mit toten tut, die man in einer letzten wuerdevollen geste unter die erde bringt.
ihre haltung sagt alles.
sie sagt dasselbe, wie ihre dunkle haut, die genauso braun ist wie aschfahl.
sagt dasselbe, wie ihre augen, die leblos und betaeubt wirken.
hinter den lidern liegt der schmerz, wie eine tiefe schwarze see.
alles an der koerperlich jungen frau schreit dieselben zwei worte heraus.
ich sterbe.

die unnatuerlichkeit ihrer pose ist verstoerend.
niemand, dem es psychisch auch nur halbwegs gut geht, laeuft so durch diese welt.
sie gibt sich selbst eine umarmung.
spuert die waerme der eigenen haut und wuenschte, es waere die eines anderen.
wiegt sich wie ein kind in der anonymen masse.
wer bist du und was hat man dir angetan.
so schnell wie sie aufgetaucht ist, wird sie auch wieder verschluckt.

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Nach Feierabend stehen sie in verschwitzten Franchiseuniformen hinter gläsernen Auslagen. Fastfood verkaufen, Kaffee ausschenken, den Boden kehren und die Kasse zählen. Freundlich sein, ansprechbar sein und nicht zu langsam. Die Ladenfront schließen und vor dem Hinterausgang Zigaretten rauchen. Sich zwischen Müllcontainern und Pappkartons gegen die Wand lehnen, den Blick durchs Nichts schweifen lassen. Ein taubes Wummern zwischen den Schläfen fühlen und versuchen sich nicht darauf zu konzentrieren. Mit den Kollegen fluchen. Mit den Kollegen schweigen. Sich von Kollegen verabschieden. Den Bus nach Hause nehmen und mit überreizten Netzhäuten auf glühende Displays starren. Persönliche Nachrichten dechiffrieren und spätestens bei der Interpretation kläglich scheitern.

„Nichts ist echt, außer Du fühlst es,
nichts ist da, außer du berührst es,
und nichts kann Dich berührn, während Du nach Formeln suchst zum Glücklichsein,
kein Wort ist wahr, nur weil es dokumentiert ist,
und nichts wird klar, nur weil es gut recherchiert ist,
und nichts wird erlöst, nur weil Du ständig nachdenkst über Ungerechtigkeit“

Maike Rosa Vogel

Laß die Küche wie sie ist. Den Abwasch, der als schmutziger Berg aus der Spüle wächst. Und auch dein Zimmer, laß es wie es ist. Die getragene Kleidung, die überall umher fliegt. Noch einmal einschlafen mit juckender Haut. Morgen in die Heimat fahren und dich wieder fragen lassen, wie es denn nun mit dir weiter geht. Raus aus dieser Stadt, in der du viele Menschen kennst, aber niemanden, bei dem du einfach sein kannst. Wie soll das auch gehen, wenn man sich nicht einmal selbst ertragen kann.

Und wenn du wissen willst, wie es sich anfühlt, dann füge vor jedes Nomen noch ein Schimpfwort, das unter die Gürtellinie geht.

Der Gedanke jetzt irgendetwas aufzuchreiben. Um zu sehen, dass man noch da ist. Um Ruhe zu finden. Um die Abfolge der Buchstaben in Informationen umzuwandeln, die hoffentlich etwas hergeben. Etwas, das entspannend wirkt auf all deine Wirrungen. Um zu sehen, das auch die Ruhe von Grund auf in dir angelegt ist. Das alles gut ist.